Teilprojekt 3: Multimorbidität und Polypharmakotherapie: Analyse von Interaktionen, inadäquater Medikation und Nebenwirkungen

 

Projektleitung

Prof. Dr. med. Petra A. Thürmann

Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie, Universität Witten/Herdecke

Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie

HELIOS Klinikum Wuppertal, Heusnerstr. 40, 42283 Wuppertal

Email: petra.thuermann@helios-kliniken.de

 


Potenziell inadäquate Medikation für ältere Menschen:

Die PRISCUS-Liste

 

S. Holt, S. Schmiedl, P. A. Thürmann

 

Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie, Universität Witten/Herdecke,

Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie, HELIOS Klinikum Wuppertal, Wuppertal

 

 

Hintergrund und Erläuterungen zur Entstehung der PRISCUS-Liste finden Sie im Beitrag von  Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA:  Potentially inappropriate medication in the elderly - PRISCUS list. (Dtsch Arztebl Int 2010; 107: 543-551)

 

Kurze Beschreibung                 


Bestimmte Arzneimittel gelten als potenziell inadäquate Medikation (PIM) bei älteren Patienten infolge eines erhöhten Risikos für unerwünschte Arzneimittelereignisse. Internationale PIM-Listen sind aufgrund von Unterschieden in Marktgegeben­heiten und Verschreibungsverhalten nur begrenzt auf Deutschland übertragbar. Ziel war die Erstellung einer deutschen Liste mit Arzneistoffen, die bei älteren Menschen vermieden werden sollten.

 

Nach Literaturrecherche und qualitativer Analyse internationaler PIM-Listen erfolgte die Zusammenstellung einer vorläufigen, an den deutschen Arzneimittelmarkt angepassten PIM-Liste. Die finale deutsche PIM-Liste wurde nach einer zwei Runden umfassenden, strukturierten Expertenbefragung (Delphi-Methode) erstellt.

 

83 Arzneistoffe aus 18 Arzneistoffklassen wurden als potenziell inadäquat für ältere Patienten bewertet. Für 46 Arzneistoffe konnte auch nach der zweiten Befragungsrunde kein eindeutiges Ergebnis erzielt werden. Falls eine potenziell ungeeignete Medikation nicht vermieden werden kann, beinhaltet die finale PRISCUS-Liste Empfehlungen für die klinische Praxis, beispielsweise Monitoring-Parameter oder Dosisanpassungen. Ferner werden Therapiealternativen genannt. 

 

Potenziell inadäquate Medikation im Alter gilt als Risikofaktor für unerwünschte Ereignisse. Die Limitation des Experten-basierten Verfahrens ist in erster Linie die mangelnde Evidenz für die Bewertung, Angaben von Alternativen und Monitoringhinweisen. Für die PRISCUS-Liste gilt wie für internationale Listen, dass Ihre Validität und Praktikabilität belegt werden muss. Sie sollte daher in ein geriatrisches Pharmakotherapiekonzept unter Vermeidung von Polypharmako­therapie, Interaktionen sowie regelmäßiger Dosisüberprüfung eingebunden werden.

 

 

Wir danken allen Experten für Ihre Teilnahme an der Delphi-Befragung!

 

Das Projekt wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderkennzeichen: 01ET0721

 


 

Priscus_Liste