Herausforderung Multimorbidität

 

Morgens vier, mittags vier und abends fünf Tabletten …

 

Die Wurzel des Problems

Dass derzeitige Behandlungsansätze den Bedürfnissen mehrfach chronisch kranker, älterer Menschen nicht gerecht werden, ist kein Wunder. Bei Studien werden sie meistens ausgeschlossen. Aktuelle Behandlungsleitlinien basieren in den allermeisten Fällen auf Untersuchungen an jüngeren Patienten mit nur einer Erkrankung. Geläufige Definitionen von „Multimorbidität“ lassen die komplexen Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen chronischen Erkrankungen ebenso außer Acht wie die möglicherweise miteinander konkurrierenden Behandlungen. Dass Hausärzte da kein einheitliches Vorgehen zur Erfassung und Behandlung von Multmorbidität haben, ist nicht erstaunlich. Im Übrigen geben die üblichen Abläufe beim Hausarzt  wenig Gelegenheit, ein Gesamtbild des Patienten zu vermitteln: Oft weiß der Arzt  nicht über alle Beschwerden des Patienten Bescheid, geschweige denn darüber, was diesen am meisten belastet.

 

Das Resultat

Meistens werden die einzelnen Erkrankungen eines Patienten unabhängig voneinander betrachtet und behandelt. Das Resultat der Beachtung sämtlicher einzelner Behandlungsempfehlungen ist ein voller „Speiseplan“, auf dem täglich viele verschiedene Medikamente stehen. Experten sprechen von Polypharmakotherapie. Ärzte, die zu wenig über den Patienten wissen, setzen mitunter Prioritäten, die den Wünschen des Patienten nicht entsprechen.

 

Die Folgen

Da sich Behandlungsempfehlungen nicht ohne weiteres auf ältere Menschen übertragen lassen, sind die empfohlenen Medikamente und/oder Dosierungen teils für ältere Patienten unangemessen – das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen steigt. Die Multimedikation führt darüber hinaus dazu, dass mögliche Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Medikamenten nicht mehr vorhersehbar sind. Das kann gefährlich werden. Ganz zu schweigen davon, dass die Behandlungspräferenzen des einzelnen Patienten auf der Strecke bleiben und die Lebensqualität leidet.

 

Die Leidtragenden

Die Zahl der Betroffenen wächst. Schon jetzt sind in Deutschland etwa 60 Prozent der über 55-jährigen und 80 Prozent der über 80-jährigen von Multimorbidität betroffen, Tendenz steigend.

 

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