Multimorbidität und Polypharmakotherapie: Analyse von Interaktionen, inadäquater Medikation und Nebenwirkungen

 

Risiken und Nebenwirkungen: Im Alter immer häufiger

 

Ältere Menschen erhalten den größten Teil ärztlich verordneter Medikamente – und tragen damit auch das größte Risiko für unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen: Das Durchschnittsalter von Patienten, die wegen Arzneimittel­nebenwirkung im Krankenhaus aufgenommen werden müssen, liegt bei etwa 70 Jahren. Im Teilprojekt 3 untersuchen die Forscher, welche Medikamente sich für ältere Menschen nicht eignen, welche sich miteinander vertragen und erstellen handhabbare Listen für den Praxisalltag.

 

Die Forscher analysieren Art und Häufigkeit von Wechselwirkungen, ungeeigneter Medikamentenverordnung und Nebenwirkungen aufgrund von mehreren gleichzeitig eingenommenen Arzneien. Die Daten verschiedener Studienteilnehmergruppen werden dazu anhand standardisierter Kriterien untersucht. In Kooperation mit der Universität Heidelberg (Prof. Dr. Haefeli, Klinische Pharmakologie) werden Arzneimittelinteraktionen computergestützt identifiziert und bewertet.

Ein Ziel des Teilprojektes 3 war die Entwicklung einer Liste von Medikamenten, die für ältere Patienten nicht geeignet sind oder deren Dosierungen bei ihnen angepasst werden müssen. Diese PRISCUS-Liste potenziell inadäquater Medikamente (PIM) wurde in Kooperation mit anderen Projektpartnern, der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft sowie mit Hilfe von 27 Ärzten und Apothekern mit Expertise in der Arzneimitteltherapie älterer Menschen erstellt. Sie beinhaltet 83 für ältere Patienten möglicherweise ungeeignete Arzneimittel, Therapiealternativen sowie weitere Empfehlungen für die klinische Praxis. Für den Fall, dass die Verordnung eines solchen Arzneimittels nicht vermeidbar ist, werden beispielsweise Dosierungsvorschläge und Überwachungshinweise auf der PRISCUS-Liste aufgeführt. Die PRISCUS-Liste soll die Arzneimitteltherapie von älteren Patienten sicherer machen, indem sie hilft, möglicherweise ungeeignete Medikamente, Interaktionen und Nebenwirkungen zu vermeiden. Sie sollte dafür in geriatrische Therapiekonzepte und in Leitlinien eingebunden werden. Die zuvor nötige Validierung der PRISCUS-Liste erfolgt mit Hilfe der im Priscus-Verbund erhobenen Daten. Der Zusammenhang zwischen PIM und unerwünschten Ereignissen (unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Arztbesuche, Kranken­haus­aufenthalte, Todesfälle) wird untersucht.

In der zweiten Förderphase ist geplant, die PRISCUS-Liste in den Praxis-Alltag von Hausärzten und in den Klinik-Alltag zu implementieren. Hierfür soll eine „Kitteltaschenversion“ mit den wichtigsten potenziell inadäquaten Medikamenten, Arzneimittelwechselwirkungen und Überwachungshinweisen entwickelt werden.

Datenquellen  für die Aufgaben des Teilprojektes 3 sind u. a. die getABI-Studienteilnehmer, das Dortmunder Schlaganfall-Register des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Münster (Prof. Dr. Berger) und die Hausarztdaten der Abteilung für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (Prof. Dr. Hummers-Pradier).

 

Projektleitung

Prof. Dr. med. Petra A. Thürmann

Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie, Universität Witten/Herdecke

Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie

HELIOS Klinikum Wuppertal, Heusnerstr. 40, 42283 Wuppertal